Archäologische

RuhrZeiten

Stadtarchäologischer Beitrag zur Kulturhauptstadt 2010 -
Visualisierungen der Kulturlandschaft in Dortmund, Duisburg und Essen

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Duisburg im ausgehenden 10. Jahrhundert

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Ausschnitt PfalzIm 10. Jahrhundert nahm die Siedlung Dispargum, wie Duisburg in den zeitgenössischen Schriftquellen genannt wird, einen rasanten Aufschwung. Seit dem 5. Jahrhundert bestand hier ein Königshof der fränkischen Herrscher. Mit der Verlagerung des Reichsinteresses unter den ottonischen Königen nach Mitteldeutschland mit der neuen „Residenzstadt“ Magdeburg gewinnt der Platz an der Ruhrmündung als Ausgangspunkt des Hellwegs erheblich an Bedeutung. Urkunden und Chroniken belegen das gewachsene Reichsinteresse an der alten Hafen- und Handelssiedlung durch zahlreiche überlieferte Königsaufenthalte im 10. und 11. Jahrhundert sowie eine Reichsversammlung im Jahr 929. Der Ort wird in dieser Zeit zur Pfalz der deutschen Könige ausgebaut.

Ausschnitt HafenEntscheidend begünstigt wurde diese Entwicklung durch eine Verlagerung des Rheinbetts nach Westen in dieser Zeit und die nachfolgende schrittweise Verlandung des Altarmes vor den Toren der Stadt. Dadurch waren günstige Voraussetzungen für die Anlage eines Flusshafens und die Einrichtung eines Umschlagplatzes für den überregionalen Handel gegeben.
Dieser Bedeutungsgewinn Duisburgs im 10. Jahrhundert zeigt sich ebenso deutlich in den bekannten archäologischen Spuren der Altstadt. Manche Baureste wie die Befestigungsmauer an der Untermauerstraße haben sich Grabungsogar als stumme Zeugen dieser Jahrzehnte bis heute im modernen Stadtbild erhalten. Ausgrabungen im Bereich des Burgplatzes, am Alten Markt, entlang der Schwanenstraße, im Stapelviertel an der Niederstraße und im späteren Marienviertel haben wichtige Fundstücke und Gebäudereste des frühen Mittelalters ans Licht gebracht. Auf dieser Grundlage basiert der unter Goggle Earth präsentierte virtuelle Rekonstruktionsversuch zur früh- und pfalzstädtischen Siedlung Duisburgs im ausgehenden 10. Jahrhundert. Letztlich geben die Bodenfunde aber nur schemenhaft über die damalige Realität Auskunft. Insgesamt nur wenige Reste aus dieser Zeit sind im Boden erhalten geblieben und nicht späteren Baumaßnahmen zum Opfer gefallen. Zur Struktur der Grundstücksparzellen und ihrer Bebauung sowie zum einstigen Erscheinungsbild der aufgehenden Wandflächen, Dächer und Zierelemente der Holz- und Steingebäude liefern uns die Grabungsergebnisse nur sehr unzureichende Hinweise.

Als wichtige Grundlage der Rekonstruktion wurde deshalb auch für das 10. Jahrhundert der Corputiusplan von 1566 herangezogen. Hierauf lassen sich noch wesentliche Strukturen der ottonischen Siedlung ablesen. Noch erhaltene Bauwerke anderer Regionen und Darstellungen der Buchmalerei lieferten weitere Anhaltspunkte für das virtuelle Modell. Letztlich kann mit dem gewonnen Bild nur eine Annäherung an die ehemalige Realität erreicht werden. Auch nach weiteren Forschungen und archäologischen Grabungen in der Stadt wird uns vieles für immer verborgen bleiben.

Ausschnitt Höfe Auschnitt Stadtmauer

Deutlich abzulesen an der Rekonstruktion ist die erhebliche Größe der ottonischen Siedlung, die bereits fast die Ausdehnung des hohen Mittelalters erreicht hat. Auch hinsichtlich der nachgewiesenen Besiedlungsdichte und Baustruktur hebt sich Duisburg von den meisten Orten der damaligen Zeit ab. Organisiert war die Siedlung als „königliche Burg“ mit dem im 10. Jahrhundert eigens befestigten herrschaftlichen Zentrum des Palatiums im Bereich des Burgplatzes. Im Umfeld lagen die zugehörigen Siedlungskerne bzw. Suburbien. Weite Teile davon wurden noch im 10. Jahrhundert mit einer Befestigung umgeben. Auf der Feldseite der Siedlung war den Erdwällen gar eine Mörtelmauer vorgeblendet. Dies unterstreicht die damals herausgehobene Stellung der Pfalzsiedlung. Hinsichtlich der am heutigen Burgplatz belegten profanen und sakralen Herrschaftsarchitektur konnte sich Duisburg in dieser Zeit messen mit den bedeutendsten Pfalzen und Reichsklöstern des Reiches.

Realisation:
Dr. Volker Herrmann (Rekonstruktion, Text & Fotos)
Dr. Kai Thomas Platz (Rekonstruktion)

Dipl.-Ing. Thomas Jedrzejas (3D-Modell)

Leitung:
Prof. Dr.-Ing. Heinz-Jürgen Przybilla
Hochschule Bochum, Fachbereich Vermessung und Geoinformatik
Labor für Photogrammetrie, Tel. +49 234 32 10517