Archäologische

RuhrZeiten

Stadtarchäologischer Beitrag zur Kulturhauptstadt 2010 -
Visualisierungen der Kulturlandschaft in Dortmund, Duisburg und Essen

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Die Stadt Duisburg um 1566

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Die städtebaulichen Planungen seit dem ausgehenden 19. Jh. haben in Duisburg für einschneidende Veränderungen der Strukturen in der Altstadt gesorgt und das Gesicht dieser einst so prächtigen Stadt nachhaltig gewandelt. Bei einem Spaziergang durch die Altstadt von Duisburg findet man nur noch sehr wenige Relikte, die an die reiche und gleichsam äußerst bedeutsame frühe Geschichte dieser Stadt an Rhein und Ruhr erinnern. Besonders große und heute von den Bürgern als sehr schmerzlich empfundene Lücken haben der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit in den historischen Baubestand und das archäologische Archiv unter dem Pflaster geschlagen.

Umso wichtiger erscheint es, mit Hilfe virtueller Modelle Bilder der großen Vergangenheit dieser Stadt zurück in das Bewusstsein der Menschen zu bringen. Damit soll ein wichtiger Beitrag zum Entstehen neuen Bürgersinns, gemeinschaftlichen Zusammengehörigkeitsgefühls und eines wieder erstarkten städtischen Selbstbewusstseins geleistet werden.

Corputius-PlanAuf dieser ersten Etappe der virtuellen Zeitreise durch die Geschichte der Stadt Duisburg erlebt der Besucher die Jahre um 1566. Es ist die Zeit des Gerhard Mercator und des Johannes Corputius. Beide haben sich weit über die Grenzen Duisburgs hinaus als Mathematiker, Philosophen und Kartographen Bekanntheit verschafft.

Corputius hat uns einen äußerst detaillierten Plan der Stadt hinterlassen, der Duisburg in der Zeit um 1566 von der Rheinseite her zeigt. Durch die schräge Perspektive der Darstellung und seine gründliche Vermessung, auf der dieser Plan basiert, besitzen wir ein authentisches Bild der Stadt, mit allen Häusern, Gartenanlagen, Befestigungen, Mühlen und vielen weiteren Einzelheiten.

Ausschnitt Corputius-PlanDuisburg präsentiert sich hier als eine Stadt an der Wende vom späten Mittelalter zur frühen Neuzeit. Charakteristisch ist das Nebeneinader von unterschiedlich alten Baustrukturen. Manche Häuser und Anwesen zeigen sich noch weitgehend unverändert im Gewand des hohen bis späten Mittelalters, während andere den neuen Geist der Renaissance bereits deutlich durch ihre Bauformen zum Ausdruck bringen. Das Zentrum und die Keimzelle der Stadt, die befestigte Pfalz, ist noch deutlich am Baubestand abzulesen. Die Wehranlagen waren in dieser Zeit aber bereits lange niedergelegt und viele Grundstücke der ehemaligen Pfalz sind mit bürgerlichen Anwesen überbaut. Im Zuge der Einführung von Feuerwaffen im 15. Jh. hatte auch die Stadtmauer ihre militärische Bedeutung verloren und wurden nicht mehr aufwändig unterhalten. Auch dies ist am Plan des Corputius und der Visualisierung der Zeit um 1566 deutlich abzulesen.

Ausschnitt Corputius-PlanZum besseren Verständnis der virtuellen Rekonstruktion können zu wichtigen Bauwerken und Plätzen historische und archäologische Zusatzinformationen mit Kurztexten und Bildern aufgerufen werden.

Die vorliegende Visualisierung der Stadt Duisburg um 1566 in Google Earth ist in enger Anlehnung an die Stadtansicht von Johannes Corputius entstanden. Sein Plan zeigt uns sehr viele Details, doch wegen der Perspektive bleiben uns die Rückseiten der Häuser und das Aussehen enger Innenhöfe und verdeckter Hauspartien verborgen.
Auch hinsichtlich der verwendeten Baumaterialien gibt der Plan nicht immer gesicherten Aufschluss. So müssen letztlich doch zahlreiche Bereiche der Visualisierung auf freie Rekonstruktionen basieren und die Bearbeiter damit leben, dass letzte Gewissheit bis in jede Einzelheit über die damalige Realität nicht zu erreichen ist. Vereinfachungen und schematische Darstellungen v. a. bei der Vegetation sind der Anforderung geschuldet, die Datenmenge möglichst gering zu halten, um das Modell problemlos über Google Earth aufrufen zu können.

Ausschnitt Corputius-PlanAllen Unwägbarkeiten zum Trotz bietet das gewählte Medium für die dreidimensionale Darstellung historischer und archäologischer Inhalte wichtige Vorzüge gegenüber konventionellen Präsentationsmethoden.
So können zu jeder Zeit und ohne größeren technischen Aufwand neue Forschungsergebnisse und notwendige Änderungen am Modell eingearbeitet und rasch überregional verfügbar gemacht werden.

Realisation:
Dr. Volker Herrmann (Text & Fotos)
Dipl.-Ing. Thomas Jedrzejas (3D-Modell)
Dipl.-Ing. Marek Koppel (3D-Modell)

Leitung:
Prof. Dr.-Ing. Heinz-Jürgen Przybilla
Hochschule Bochum, Fachbereich Vermessung und Geoinformatik
Labor für Photogrammetrie, Tel. +49 234 32 10517