Archäologische

RuhrZeiten

Stadtarchäologischer Beitrag zur Kulturhauptstadt 2010 -
Visualisierungen der Kulturlandschaft in Dortmund, Duisburg und Essen

Projekte

Hafen, Königspfalz und Bürgerstadt

Visualisierungen zu Duisburg im Mittelalter

Duisburg gehört zu den ältesten Städten des Niederrheins. Der Ort führt seine Wurzeln auf einen bedeutenden Handelsplatz und Rheinhafen in der Flussaue zurück. Oberhalb von Hafen und Markt entstand auf der hochwasserfreien Niederterrasse im frühen Mittelalter ein Königshof. Dieser königliche Sitz wurde im ausgehenden 10. Jahrhundert zu einer Pfalz mit repräsentativen Gebäuden und einer Umwehrung ausgebaut. Bereits damals lag Duisburg verkehrsgeografisch äußerst günstig im Netz überregionaler Wasser- und Wegeverbindungen. Bis zum 14. Jahrhundert war der Ort über den Rhein direkt an den Nord- und Ostseehandel angebunden und fungierte als Drehscheibe des Warenverkehrs an Rhein und Ruhr. Schon lange vor dem Mittelalter nahm hier der Hellweg, eine der bedeutendsten Wegeverbindungen des Mittelalters, seinen Ausgang. Ab dem 10. Jahrhundert verband diese Straße Duisburg mit der Pfalz Magdeburg, die unter den ottonischen Königen zu den wichtigsten des Reiches gehörte.

In der Duisburger Altstadt wurden in den zurückliegenden knapp 30 Jahren im Zuge der Stadtsanierung und des Stadtbahnbaus umfangreiche Grabungsprojekte durchgeführt. Sie haben eine Fülle an archäologischen Funden und Baustrukturen der frühen Stadt zu Tage gefördert. Zusammen mit einer Ansicht aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, dem sog. Corputiusplan, bilden sie die entscheidende Grundlage für die unter Google Earth präsentierten historisch-archäologischen Rekonstruktionen der Duisburger Altstadt.

Gezeigt werden drei der wichtigsten Etappen der Entwicklung Duisburgs auf dem Weg von der Pfalzsiedlung des frühen Mittelalters zur Bürger- und Rechtsstadt des Spätmittelalters. Die älteste Rekonstruktion zeigt Duisburg im ausgehenden 10. Jahrhundert, als der ehemalige Königshof gerade zur Pfalz ausgebaut worden war. Die nächste Visualisierung präsentiert den Ort etwa 200 Jahre später. Am Ende des 12. Jahrhunderts steht Duisburg an einem Wendepunkt seiner Geschichte. Der Ort wandelte sich damals gerade von der befestigten Pfalzsiedlung, die maßgeblich durch den König und seine Getreuen bestimmt war, zur Rechts- und Bürgerstadt des späten Mittelalters. Deutlich sichtbar wird dies am Ausbau der bereits lange bestehenden Befestigungsanlagen zu einem geschlossenen Mauerring. Das dritte Bild präsentiert uns Auf- und Einsichten in die Stadt Duisburg in den Jahren um 1566. Damals hatte die Stadt bereits lange den Zenit ihrer mittelalterlichen Entwicklung überschritten. Bereits im 14. Jahrhundert hat Duisburg durch die endgültige Verlandung des Rheinhafens vor den Toren der Stadt seine herausragende Stellung im überregionalen Handel eingebüßt. Sie sank zu einem regionalen Zentrum herab. Durch die Überlieferung des Corputiusplanes von 1566 besitzen wir für die Zeit der ausgehenden Renaissance ein überaus wertvolles zeitgenössisches Dokument, das uns eine überaus verlässliche Grundlage für eine Rekonstruktion der Bebauungsstruktur in dieser Zeit bietet.

Zu den einzelnen Stadtvisualisierungen:
Duisburg um 1566
Duisburg 1566
Duisburg um 1200
Duisburg 1200
Duisburg um 1000
Duisburg 1000

Realisation:
Dr. Volker Herrmann (Rekonstruktion, Text & Fotos)
Dr. Kai Thomas Platz (Rekonstruktion)

Dipl.-Ing. Thomas Jedrzejas (3D-Modell)
Dipl.-Ing. Marek Koppel (3D-Modell)

Leitung:
Prof. Dr.-Ing. Heinz-Jürgen Przybilla
Hochschule Bochum, Fachbereich Vermessung und Geoinformatik
Labor für Photogrammetrie, Tel. +49 234 32 10517