Archäologische

RuhrZeiten

Stadtarchäologischer Beitrag zur Kulturhauptstadt 2010 -
Visualisierungen der Kulturlandschaft in Dortmund, Duisburg und Essen

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Luftschutzanlage der ehemaligen Friedr. Krupp Gussstahlfabrik an der Haedenkampstraße

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Eine bemerkenswerte Luftschutzanlage, die in den 1930er Jahren entstand, wurde im Herbst 2011 entdeckt und bis Januar 2012 erfasst.

Das etwa 100 m lange Schutzraumsystem besaß über 30 Räume, in denen 540 Mitarbeiter des sog. Maschinenbaus 10 und des sog. Maschinenbaus 20 der ehemaligen Krupp´schen Gussstahlfabrik, somit aber auch nur ein Teil der Belegschaft dieser Fabrikationsstätten schwerer Rüstungsgüter, Schutz fanden.

Luftschutzanlage Haedenkampstrasse Luftschutzanlage Haedenkampstrasse
Blick in die Anlage nach Norden Blick in die Anlage nach Süden

In diesem Kellersystem, das sich unterhalb eines nach dem 2. Weltkrieg abgerissenen Verwaltungsgebäudes befand, konnte beispielsweise auch ein Raum mit der Beschriftung Gaskranke nachgewiesen werde, ein Umstand, der gleichzeitig Einblicke gibt, mit welchen Gefährdungen man bei Krupp rechnete: Man hatte nach den Erfahrungen im 1. Weltkrieg eine weitreichende Vorsorge getroffen. Es fanden sich zudem Behandlungsräume- und Entgiftungsräume aber auch Räume für die Direktion und Betriebsleitung, Betriebsbüros, das Techn. Büro, die Werkstoffbeschaffung oder die Maschinenkalkulation u. Arbeitsvorbereitung sowie verschiedene Zugänge und zwei Fahrstuhlschächte.Die Luftschutzanlage besaß eine Decke, deren Stärke zwischen 0,50 bis 0,60 m lag. Sie war nur noch sehr schlecht erhalten, da sie nach dem 2. Weltkrieg teilweise auch zerstört – „entfestigt“ – wurde.

Luftschutzanlage Haedenkampstrasse Luftschutzanlage Haedenkampstrasse
Blick in die Sanitäreinrichtungen Zugang zu einem Schutzraum

Besonders zu erwähnen ist eine Anhäufung von französischen Gasmasken und von so genannten Volksgasmasken im zur Haedenkampstraße gelegenen Zugangsbereich. Diese können u.U. als Hinweis dafür gelten, dass in der Luftschutzanlage auch französische Kriegsgefangene Einlass fanden.

Luftschutzanlage Haedenkampstrasse Luftschutzanlage Haedenkampstrasse
Raumbeschriftungen Gasmasken

Neben der archäologischen Dokumentation im Rahmen einer Befahrung stand die fotografische Erfassung und Beschreibung einzelner Befunde im Vordergrund. Der geplante Einsatz des terrestrischen Laserscannings war aber nicht möglich, da die Anlage schlecht zugänglich, zum Teil unter Wasser stand und zudem in ihrem Aufbau sehr kompliziert war. Die Anlage wurde dennoch, soweit möglich, komplett vermessen. Auf dieser Grundlage und gestützt auf die umfangreiche Fotodokumentation entstand eine 3D-Visualisierung.

Den Herren Richard Gruschka, Ralf Hartner, Herrn Matthias Maetzel und Rüdiger Oer sowie dem Historischen Archiv Krupp sei für die Unterstützung der Arbeiten gedankt.

Krupp'scher Werksbunker Krupp'scher Werksbunker 2
Beginn der Abrissarbeiten Situation nach Abschluss der Abrissarbeiten

Realisation:
Dr. Detlef Hopp (Text)
Dr. Detlef Hopp (Fotos)
Dipl.-Ing. Magdalena Dannenberg (3D-Modell)

Leitung:
Prof. Dr.-Ing. Heinz-Jürgen Przybilla
Hochschule Bochum, Fachbereich Vermessung und Geoinformatik
Labor für Photogrammetrie, Tel. +49 234 32 10517