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Stadtarchäologischer Beitrag zur Kulturhauptstadt 2010 -
Visualisierungen der Kulturlandschaft in Dortmund, Duisburg und Essen

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Das Turmhaus – ehemalige Krupp’sche Hauptverwaltung (1912-1976)

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Das ehemalige Krupp-Hauptverwaltungsgebäude an der Altendorfer Straße in Essen wurde wegen seines ca. 60 m hohen Turmes auch als „Turmhaus“ bezeichnet. Durch die immer größere Ausdehnung der Krupp’schen Fabrik zu Beginn des 20. Jahrhunderts und des damit verbundenen gewaltigen Anwachsens des gesamten Verwaltungsapparates, war der Bau eines neuen Hauptverwaltungsgebäudes notwendig. Mit der Planung und den Vorarbeiten wurde bereits 1905 begonnen. Der Beginn der Bauarbeiten zog sich aber bis Mai 1908 hin, da die vorgesehene Fläche, auf der die erste mechanische Werkstatt stand, erst freigemacht werden musste.

Das Turmhaus enthielt vor allem Räume für alle kaufmännischen Abteilungen, die Hauptkasse, die Buchhaltung, das Zentralbüro, das Rechnungsrevisionsbüro, die Zentralregistratur, das gesamte technische Büro und die Direktion. Das Gebäude hatte bis zu sieben Obergeschosse und wurde mit dem ca. 60 m hohen Turm betont, um auch im Äußeren die Bedeutung des Gebäudes als Zentrale der Fabrik hervorzuheben.

TurmhausBei der Planung wurden viele Aspekte zu einer guten und praktischen Nutzung des Gebäudes berücksichtigt. Um die Größe des gegebenen Grundstücks auszunutzen und trotzdem zu gewährleisten, dass in alle Räume möglichst viel Licht gelangt, wurden zwei Innenhöfe angelegt. Zur besseren Übersichtlichkeit und im Hinblick auf günstige Wege wurden jeweils an den Ecken des Gebäudes die Treppen und Aufzüge angelegt, wobei die Treppen direkten Zugang von außen oder vom großen Innenhof hatten. Bei der Konstruktion des Fundaments wurde der Bergbau berücksichtigt. Die Eisenkonstruktion übernahm die Lasten sämtlicher Decken sowie des Daches, so dass unabhängig davon das Mauerwerk nur sich selbst tragen musste. Außerdem befand sich in den Fundamenten in einem Hohlraum das gesamte Rohrnetz. Dazu gehörten unter anderem Abwasser- und Wasserleitungen, Heizleitungen, Kanäle für Frischluft und Dampfleitungen.

Da wegen der verstaubten und verrauchten Fabrikluft ein Öffnen der Fenster kaum möglich war, wurde durch eine Filteranlage, Ventilatoren und das Absaugen der verbrauchten Luft stets für frische gefilterte Luft in den Räumen gesorgt. Im sechsten Obergeschoss befand sich die Küche. Durch deren Lage wurde vermieden, dass sich Küchengeruch im Haus bemerkbar machte und die für die Küche bestimmten Waren konnten mittels eines Lastenaufzugs vom großen Innenhof direkt in die Aufnahmeräume gebracht werden. Dadurch brauchte das Küchenpersonal den Rest des Gebäudes nicht zu betreten.

TurmhausDie ersten Büros wurden im Dezember 1910 bezogen. Fertig gestellt wurde das Turmhaus 1911. Die offizielle Übergabe des Turmhauses als neue Hauptverwaltung erfolgte am 8. August 1912 im Rahmen der Hundertjahrfeier des Unternehmens Krupp. Zu den prominentesten Gästen in der Ehrenhalle des Turmhauses zählten damals Kaiser Wilhelm II. und Reichskanzler von Bethmann-Hollweg. Während des zweiten Weltkrieges blieb auch das Turmhaus nicht von Schäden verschont. Erst nach 1950 wurde es notdürftig wieder aufgebaut. Der ursprüngliche Zustand des Gebäudes wurde nie wieder hergestellt.

Von den ca. 2000 Angestellten der Hauptverwaltung, die in den 40er Jahren im Turmhaus arbeiteten, waren im Jahr 1976 nur noch 300 Personen in der Hauptverwaltung beschäftigt. Da diese in einem anderen Gebäude besser untergebracht waren, hatte das Turmhaus seinen Nutzen verloren. Einige Räume, z. B. die Ehrenhalle, waren einsturzgefährdet und wurden somit nie wieder genutzt. Die Kosten für eine Instandsetzung und die jährliche Unterhaltung waren zu hoch. Darum begannen im Mai 1976 die Abbrucharbeiten. Einige historische Wandtafeln und Skulpturen, wie zum Beispiel das in Abb. 1.6 dargestellte Denkmal aus der Ehrenhalle des Turmhauses, wurden vor dem Abbruch in Sicherheit gebracht.

Der Abriss des Turmhauses erfolgte bis zur Erdoberfläche, so dass der Rohrkeller und Teile des Kellergeschosses im Boden verblieben. An der Stelle des Turmhauses entstand eine Grünanlage.

Dank:
Dem Historischen Archiv Krupp, vertreten durch Herrn Priv.doz. Dr. R. Stremmel sowie Herrn M. Stagge M.A., danken wir für die Bereitstellung der Archivalien. Herrn Stagge gilt darüber hinaus unser Dank für die aktive Unterstützung während der Archivrecherchen.

Realisation:
Dipl.-Ing. Kristina Bruland (3D-Modell)
Dipl.-Ing. Marek Koppel (Integration des 3D-Modells in Google Earth)
Sebastian Braunsdorf (Nachbearbeitung, Geländemodell)

Leitung:
Prof. Dr.-Ing. Heinz-Jürgen Przybilla
Hochschule Bochum, Fachbereich Vermessung und Geoinformatik
Labor für Photogrammetrie, Tel. +49 234 32 10517